|
BEARBEITEN
Die Runen
Geschichte. Die Runen sind Schriftzeichen, unserem Alphabet nicht unähnlich, die in Nordeuropa vom ersten Jahrhundert bis weit ins Mittelalter hinein benutzt wurden. Neben ihrer Funktion als Alphabet zum Schreiben dienten die Runen auch als ein System von Symbolen zur Magie und Wahrsagerei (Divination). Die Runen verschwanden als allgemeines Schriftsystem und mit der Christianisierung setzte sich mehr und mehr die lateinische Schrift durch. Die Bedeutung der Runen und ihre Formen blieben uns aber auf Inschriften und Manuskripten erhalten. Die wesentliche Charakteristik, die die Runen von dem lateinischen Alphabet unterscheidet, ist die, daß jede Rune nicht nur einen phonetischen Wert hat, sondern auch eine Bedeutung. So steht die Rune Fehu nicht nur für den Laut F, sondern auch für das Wort „Vieh“. Hieran wird ihre magische und divinatorische Beziehung festgemacht. So kann Fehu im übertragenen Sinne dann für Reichtum stehen. Heute sind die Runen als symbolisches System wiederentdeckt worden und sind als Orakel sehr populär geworden. Sie sind aber wesentlich mehr als eine außergewöhnliche Version der Tarotkarten. Sie sind ein Schlüssel zum Leben und Glauben der Menschen zur damaligen Zeit und lehren uns viel über die Lebensweise der Menschen, die sie geschaffen haben. Menschen, deren Leben direkter mit der Natur und ihren Geistern verbunden waren, als wir es heute sind. Geschichte und Herkunft der Runen Wir wissen heute, dass die Runen zwei verschiedene Quellen haben, eine „magische“ und eine „schriftliche“. Pre-runische Symbole (hällristningar) aus der Bronzezeit sind in erster Linie in Schweden gefunden worden als Steininschriften. Einige dieser Symbole kann man ohne weiteres als spätere Rune erkennen, während andere nur das Konzept oder die Idee einer späteren Rune wiedergeben. Die genaue Bedeutung dieser alten Zeichen ist uns nicht mehr bekannt, ebensowenig wie ihr Zweck. Man geht aber davon aus, daß sie zum Orakel und zur Magie genutzt wurden. Es ist sehr wahrscheinlich, daß sie zur magischen Funktion der Runen beigetragen haben. Über die genaue Herkunft der Runen gibt es unterschiedliche fachliche Meinungen (und Diskussionen). Es gibt Meinungen, daß die Runen auf dem griechisch/lateinischen Buchstaben beruhen, aber historische sowie archäologische Funde setzen den Ursprung in Norditalien an. Die Ähnlichkeit zwischen den beiden Alphabeten, ihre Ausrichtung und Form ist zu groß, um ignoriert zu werden. Dieser Ursprung würde auch erklären, wieso die Runen dem lateinischen Alphabet ähneln, da beide Schriften ihren Ursprung im Etrusikischen haben. Die Theorie würde das Futhark (das runische Alphabet) vor dem ersten Jahrhundert ansetzen. Aus linguistischer und phonetischer Sicht ergibt sich ein etwas früheres Datum: etwa 200 vor Christus. In der Zeit, als die nordischen Völker die Schriftzeichen übernahmen und sie zu ihrem System umformten, gaben sie den Zeichen Namen, die sich auf Aspekte ihres täglichen Lebens bezogen. Dadurch transformierten sie die einfachen Piktogramme in ein magisches Alphabet, das zur Magie und Divination benutzt werden konnte. Der Name „Futhark“ ist ähnlich aufgebaut wie „Alphabet“, es besteht aus den ersten Buchstaben der Schriftreihe, die sich erheblich von der lateinischen unterscheidet. Das Futhark bestand ursprünglich aus 24 Zeichen, die mit dem F begannen und mit O endeten. Diese Runen sind als das Alte oder germanische Futhark bekannt. Etwa im fünften Jahrhundert n. Chr. änderten sich die Runen, zuerst in Friesland. Zu dieser Zeit fielen die Angelsachsen in Britannien ein und ähnliche Runen traten zum ersten Mal auf der Insel auf. Die Form einiger Runen änderten sich, besonders A/O C/K H J S Ng. Eine Änderung der Sprache fügte zwischen fünf und neun Runen ein, damit das Alphabet die neuen Laute darstellen konnte. Dieses Alphabet wird „Anglo-Saxon Futhark“ genannt. In Skandinavien blieb das ältere Futhark bis ins 8. Jahrhundert im Gebrauch (die Zeit der Eddas). Zu dieser Zeit änderte sich die Sprache, und auch hier wurden die Runen angepaßt, um die Laute darzustellen. Allerdings reduzierte das „Jüngere Futhark“ die Runen von 24 auf 16, und einige Runen standen für mehrere Laute. Die Form der Runen wurde ebenso geändert und vereinfacht. Dieses Alphabet brachte mehrere Variationen hervor, meistens länderspezifisch. Dieses Alphabet kam dann auch nach Island und Grönland. Vielleicht sogar nach Amerika, aber dafür gibt es keine Beweise. Die Wiederauferstehung Die Runen, in erster Linie die Jüngere Form, blieben bis ins 17. Jahrhundert im Gebrauch. Bis zu dieser Zeit standen sie auf fast allem, von Münzen bis Särgen, in einigen Fällen waren sie sogar durch die Kirche sanktioniert. Sogar das normale Volk kannte einfache Runensprüche, und die Runen wurden bei bestimmten Fragen zur Hilfe gezogen. 1639 verbot die Kirche jedwede magische Kunst, um „das Böse aus Europa zu treiben“. Das Wissen der Runenkundigen ging verloren. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Runen im Zuge der völkischen Bewegung wiederentdeckt und durch Guido List wieder gesellschaftsfähig gemacht. Nur machte er seine eigene Phantasieversion daraus. Nach dem zweiten Weltkrieg und mit dem Beginn des Esoterik-Booms gab es eine zweite Wiederauferstehung der Runen, nachdem sie zuvor so pervertiert wurden. Quelle: www.historical-events.de/ katalog/amulette/runen/runengesch.html |
|
|
BEARBEITEN
neonazistische Umdeutung Die Darstellung von Elementen des germanischen Heidentums und der nordischen Mythologie in der jugendlichen Alltagskultur hat in den vergangen Jahren auffällig zugenommen. Dieser Rückgriff auf historische und religiöse Vorbilder speist sich aus verschiedenen Quellen und Motiven. Für die völkisch geprägte extreme Rechte ist dieser Bezug ein wesentlicher Bereich der Identitätsstiftung. […] Die Völkisch-Religiösen praktizieren bestimmte Kulthandlungen, dazu gehören die weithin bekannten Sonnenwendfeiern genauso wie das Osterwasserschöpfen. […] Die völkische Rechte ersetzt christlich geprägte Sprache durch 'ursprüngliche' Namen [und Zeichen] germanischer Herkunft. Beliebt ist zum Beispiel das Runenalphabet (Futhark), das als Schrift in den verschiedenen Publikationen oder in Bandlogos auftaucht. Aber auch das Praktizieren von 'Runenmagie' und 'Runenyoga' gehört dazu. Runen sind altnordische/germanische Zeichen, die teils Laut-, teils Symbolcharakter hatten. Heute werden zumeist Deutungen aus der Zeit der Jahrhundertwende (18./19. Jhdt.) ohne historischen Bezug und mit völkischer Interpretation verwendet. Aber auch Strömungen des esoterischen Heidentums, die versuchen, eine verschüttete, angeblich ursprüngliche Naturreligion wiederzubeleben, bedienen sich eines derartigen 'Runenzaubers'.
(Aus: Versteckspiel – Lifestyle, Symbole und Codes von neonazistischen und extrem rechten Gruppen. Hg: Agentur für soziale Perspektiven im Auftrag von DGB-Jugend West, Hessen und Baden-Würtemberg, 2004) |
|