BEARBEITEN Gestrichenes L Das gestrichene L findet in der polnischen und sorbischen Sprache Verwendung und steht im polnischen Alphabet nach dem uns bekannten lateinischen L. Der polnische Originalname des gestrichenen L lautet „ew“ und wird in der Phonologie als (w) angegeben. Es zählt zu den sogenannten diakritischen Zeichen. Diese kennzeichnen durch Punkte, Striche, Häkchen oder Kringel Laute mit einer besonderen Aussprache. Meistens sind diese Laute nur in wenigen Sprachen zu finden. In unserem Fall wird das gestrichene L durch einen Querstrich, ein „kreska ukos`na“, vom lateinischen L unterschieden. Eine Differenzierung ist notwendig, um die unterschiedlichen Aussprachen der beiden Zeichen zu zeigen.
Ursprünglich hatte sich das lateinische L in manchen Positionen erhärtet und wurde wie das L im englischen „well“ ausgesprochen. Es stand damit im Gegensatz zum weichen L, dessen Aussprache dem italienischen „gl“ entspricht. Die eigentliche Aussprache des gestrichenen L als w wie im englischen „Whisky“ hat sich erst im 16. Jahrhundert entwickelt und allmählich durchgesetzt.
Bei dieser noch heute gültigen Aussprache wird die Zunge an den Gaumen gedrückt.
Um die Entstehung der diakritischen Zeichen zu verstehen, muss man weiter in die Vergangenheit schweifen. Die polnische Sprache entwickelte sich aus dem Urslawisch über das Westslawisch und die lechischen Dialekte zu einer eigenständigen Sprache. Mit der Christianisierung und der Entstehung des polnischen Staates im 10. Jh.n.Chr. wurde das lateinische Alphabet in Polen eingeführt. Dies rührte daher, dass durch die kulturellen Beziehungen zu Westeuropa und die Bekehrung zum römischen Katholizismus viele westliche Geistliche nach Polen kamen und Latein als Amtssprache übernommen wurde. Allerdings bestand das lateinische Alphabet zu diesem Zeitpunkt aus 21 Zeichen, wohingegen das polnische phonologische System mehr als 40 Lautwerte (Phoneme) umfasste. Aufgrund dieses Mangels an graphischen Zeichen (Grapheme) wurden mehrere Laute mit dem selben Graphem geschrieben, wodurch das Lesen und Verstehen von Texten erheblich erschwert war. Es entstand die Notwendigkeit, die einzelnen Phoneme im Geschriebenen unterscheiden zu können.
Erstmals konsequent umgesetzt wurde die graphische Unterscheidung von Lautwerten durch den tschechischen Reformator Jan Hus in seiner „Orthographia Bohemica“, die entweder 1406 oder 1412 verfasst wurde. Er kennzeichnete Grapheme, die zwei Lautwerte beschrieben, mit einem Punkt, der über die Buchstaben gesetzt wurde.
Bereits zuvor war der Punkt über einzelnen Zeichen zur Hervorhebung des Lautwertes in manchen tschechischen Büchern erschienen, jedoch nur vereinzelt und ohne System. Der Punkt war mittelalterlichen Gelehrten aus der hebräischen Schrift bekannt. Von Hus weiß man, dass er ebenfalls Hebräischkenntnisse aus den Schriften des heiligen Hieronymus und aus dem Umgang mit Juden besaß. Im Gegensatz zu den diakritischen Zeichen hatte das Dagesch (der hebräische Punkt) jedoch die Aufgabe, die Normalaussprache und nicht die Abweichung von der gewöhnlichen Aussprache zu gewährleisten. Zudem wurde das Dagesch im Zeichen und nicht über dem Buchstaben eingesetzt.
Jan Hus galt als Ketzer und wurde 1415 auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Also versuchte der erste polnische Sprachwissenschaftler Jakub Parkoszowic als Mann der katholischen Kirche die Einflüsse von Jan Hus zu verringern. In seinem Orthographischen Traktat von 1440 berücksichtigte er nicht die ihm wahrscheinlich bekannten Errungenschaften von Jan Hus. Er unterschied die Lautwerte durch eckige und runde Grapheme, was nicht besonders gelungen war und sich somit nicht bewährte.
Als erster bedeutender Versuch, die polnische Orthographie zu modernisieren, gilt das in lateinischer Sprache verfasste Traktat von Stanislaw Zaborowski aus dem Jahre 1513. Zaborowski führte nun auch in Polen die diakritischen Zeichen ein und es ist anzunehmen, dass er von Jan Hus beinflußt war. Seine modernen Ideen waren jedoch in der Umsetzung eher umständlich und die
meisten Zeichen haben sich seitdem wieder verändert, aber er war es, der den Querstrich beim gestrichenen L einführte. Zuvor wurde vereinzelt statt des Punktes ein Abostroph oder eine Tilde verwendet.
Ihre heutige Form haben die polnischen Buchstaben hauptsächlich dem Drucker
Jan Januszwoski zu verdanken und seiner Orthographie, die er 1594 mit anderen Orthographien unter dem Namen „Nowy karakter polski“ veröffentlichte. Zugleich war der Titel der Name der ersten polnischen Schrift, die er für diesen Zweck entwarf.
Die Sorben übernahmen das gestrichene L Ende des 16. Jahrhunderts. In Tschechien hingegen, seiner ursprünglichen Heimat, ist es im Laufe des 18. Jahrhunderts außer Gebrauch gekommen, weil die beiden Laute in der Aussprache nicht mehr unterschieden wurden.
BEARBEITEN Sprachen Polen, Sorbien, Chipewyan, Nvajo, Kashubian
BEARBEITEN Zeichenform Die vertikale Mitte des schrägen Strichs (stroke) sollte auf der optischen Mitte des Schafts liegen. Die Breite des Strichs sollte ca. 80 Prozent der Buchstabenstrichstärke betragen. Der Strich sollte ca. 30 Prozent von der Horizontale gemessen gedreht sein. Die Mitte des Strichs sollte leicht nach rechts versetzt sein.
 
HINZUFüGENÄHNLICHE ZEICHEN
01 CODE POINT VALUE: : : : : 0141
02 NAME (UNICODE NAME) : : : LATIN CAPITAL LETTER L WITH STROKE
03 GENERAL CATEGORY: : : : : Letter, Uppercase
04 COMBINING CLASS : : : : : Spacing, split, enclosing, reordrant, and Tibetan subjoined
05 BIDIRECTIONAL CATEGORY: : Left-to-Right
06 DECOMPOSITION MAPPING : : -
07 DECIMAL DIGIT VALUE : : : -
08 DIGIT VALUE : : : : : : : -
09 NUMERIC VALUE : : : : : : -
10 MIRRORED: : : : : : : : : No
11 UNICODE 1.0 NAME: : : : : LATIN CAPITAL LETTER L WITH STROKE
12 ISO 10646 COMMENT FIELD : -
 
13  UPPERCASE MAPPING : : : : -
14 LOWERCASE MAPPING : : : : U+0142
15 TITLECASE MAPPING : : : : -
16 DECIMAL VALUE : : : : : : 321
17 UTF-8 HEX VALUE : : : : : 0xC581
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20 XHTML : : : : : : : : : : &#321
21 BLOCK : : : : : : : : : : Latin Extended-A
22 PLANE : : : : : : : : : : Basic Multilingual Plane (BMP)
23 STROKE NUMBER : : : : : : -
24 RADICAL : : : : : : : : : -
 < CHARACTER >  BLOCK PROPERTIES
U+0141 LATIN CAPITAL LETTER L WITH STROKE
DEUTSCH : ENGLISH