BEARBEITEN Deutsches Eszett Vom 16. Jahrhundert an bis etwa 1940 wurde im deutschen Buch- und Zeitungsdruck die Frakturschrift verwendet. Ein wichtiges Merkmal der Fraktur ist die Verwendung von zwei verschiedenen Formen für die Minuskel s. Am Anfang und im Innern von Worten wurde das sogenannte Lang-s: ſ (U+017F Latin Small Letter Long S) verwendet, am Wortende stand das von uns auch heute verwendete runde Schluss-s.

Stand nun am Wortende ein doppeltes s, wie beispielsweise im Wort »Schloss«, so war das erste s im Wortinnern, also somit ein Lang-s, und das zweite s befand sich am Wortende und war folglich ein Rund-s. Es mußte also wie folgt geschrieben werden: »Schloſs«. Da diese Konstellation sehr oft auftrat, bildete sich hieraus eine Ligatur, also eine Verschmelzung der beiden Buchstaben – das ß war geboren.
Um 1900 setzte sich das Eszett endgültig durch, wohingegen das alleinstehende Lang-s seine Bedeutung verlor und außer in gebrochenen Schriften heute keine Verwendung mehr findet.

In einer Fraktur sah diese Ligatur so aus, als ob ein z daran beteiligt gewesen wäre, daher der eigentlich falsche Name Eszett. Aufgrund dieses Fehlers sind bei der Übernahme des Zeichens in die Antiqua (lateinische Schrift) viele Eszett-Formen entstanden, die tatsächlich mehr einer Ligatur aus ſ und z ähneln.

Das Eszett in der Schweiz

Seit den 1930er Jahren ist das ß in der Schweiz und in Lichtenstein mehr und mehr aus dem Gebrauch geraten. Offiziell abgeschafft wurde es zwar nie, aber 1938 entschied die Erziehungsdirektion des Kantons Zürich das ß an den dortigen Volksschulen nicht mehr zu lehren, woraufhin weitere Kantone diesem Beispiel folgten. 1974 entschied sich schließlich auch die Neue Züricher Zeitung, als letzte schweizerische Zeitung auf das ß zu verzichten. Trotzdem erfreut sich das ß bei jungen Schweizern aber wieder mehr an Beliebtheit: um Platz zu sparen oder weniger tippen zu müssen, wird in Kurzmitteilungen per Handy ß statt ss verwendet – auch wenn eigentlich nur ss stehen dürfte. Auch in Ungarn ist ein ähnlicher Trend erkennbar, hier wird in SMS sz durch ß ersetzt.
BEARBEITEN Orthografie Hier hat die Neue Deutsche Rechtschreibung eine einfache und klare Regel parat: Nach kurzen Vokalen steht grundsätzlich ss, nach langen Vokalen ß. Sogenannte Diphthonge (Doppellaute, im Deutschen: au, äu, eu, ei und ai) besitzen dieselben Eigenschaften wie lange Vokale, weswegen nach ihnen auch ß steht (Schweiß, draußen, außer).

Das Eszett ist eine Kleinbuchstabenligatur, das heißt, es gibt eigentlich keinen zugehörigen Großbuchstaben (es gibt auch kein Wort, das mit ß beginnt). Deshalb verwendet man im Versalsatz statt ß bislang notgedrungen SS. Die sehr seltene, typisch amtsdeutsche Ausnahme ist ein Eigenname, der laut amtlichen Papieren mit ß geschrieben wird.

In der DDR gab es Versuche ein versales ß zu etablieren. Im 1965 erschienenen Duden, verlegt vom VEB Bibliographischen Institut, heißt es hierzu: »Das Schriftzeichen ß fehlt leider noch als Großbuchstabe. Bemühungen, es zu schaffen, sind im Gange. Es wird jetzt noch ersetzt durch SS oder, falls Mißverständnisse möglich sind, durch SZ. Beispiele: STRASSE, ROCKSCHÖSSE; IN MASSEN GENOSSEN, aber: IN MASZEN GENOSSEN«

Neuerdings wurde eben für den typografisch anspruchsvollen Versalsatz aber ein großes Eszett ẞ U+1E9E geschaffen; damit können nun solche Sonderfälle ansprechend und ohne Mehrdeutigkeiten gestaltet werden: »IN DER RUẞSTRAẞE AM GROẞEN SCHLOSS IN MAẞEN GENOSSEN«. Seine Verwendung ist jedoch noch selten.
BEARBEITEN Sprachen Das Zeichen wird im Deutschen und Luxemburgischen verwendet.
 
BEARBEITEN Typografie Die Grundform des Eszett besteht aus zwei nach links offenen Bögen, die direkt übereinander liegen. Der untere Bogen sollte aus optischen Gründen leicht größer sein als der obere. Vom oberen Bogen aus in abgerundeter Form, verläuft ein senkrechter Strich nach unten, bei manchen Glyphen auch mit Unterlänge. In der Regel sollte die beiden Bögen den senkrechten Strich nicht berühren – besonders der untere Bogen benötigt genügend Abstand, damit das ß nicht mit einem Versalen B verwechselt wird. Bei unbedarften Schriftentwerfen ähnelt den Entwurf für das Eszett oft den griechischen Kleinbuchstaben Beta: β (U+03B2 Greek Small Letter Beta).
Manche Eszett-Glyphen lassen einen einem kurzen waagerechten Strich oberhalb der x-Höhe noch einen Frakturansatz erkennen. Er ist allerdings zum Verständnis des Zeichen nicht notwendig.
BEARBEITEN Falsche Verwendung oder falscher Ersatz
Das Eszett macht sehr vielen Menschen Schwierigkeiten. Oft sieht man mangels geeigneter Taste in Texten ausländischen Ursprungs anstelle eines ß ein griechisches β (U+03B2 Greek Small Letter Beta).

In Texten deutschen Ursprungs wird manchmal wahllos jedes »ss« als ß geschrieben.

Auf dem nebenstehenden Foto sieht man in Versalien den falschen Einsatz eines »B« für ein »ß«. In reinem Versalsatz muß das »ß« durch ein »SS« oder besser durch das relativ neue große Eszett ẞ U+1E9E ersetzt werden, richtig wäre hier also »WEISS« oder noch besser »WEIẞ«.
BEARBEITEN Synonyme
Deutsch: Eszett, Scharfes S, Scharfes Es, seltener: Rucksack-s, Buckel-s, Dreierles-s, Straßen-s
Englisch: sharp s, fälschlicherweise: german B
Schweiz: Doppel-s
 
HINZUFüGENÄHNLICHE ZEICHEN
 < CHARACTER >  BLOCK PROPERTIES
U+00DF LATIN SMALL LETTER SHARP S
DEUTSCH : ENGLISH